
(nach einem Artikel von Christa Täuber in der SZ vom 16. November 2004)
Als Karl Benjamin Preusker im Alter von 38 Jahren nach Großenhain kam, ahnte niemand, wie sehr er die Stadt prägen würde. Vor nahezu 100 Jahren, am 4. November 1904, beschloss der Stadtrat, eine Straße Großenhains nach dem Namen des "um die Stadt hochverdienten Herrn Rentamtmanns Preusker" zu nennen. Es war jene, im Norden zwischen Waldaer Straße und Scheunenstraße gelegene, damals nur linksseitig mit wenigen Häusern bebaute Straße. Dem Ortsunkundigen und interessierten Großenhainern sei hier ein wenig über den "Hochverdienten" erzählt: Der gebürtige Löbauer kam erst im Alter von 38 Jahren in unsere Stadt, in der er seinen Lebensmittelpunkt fand und in der er auch seine Augen für immer schloss. Nach einer Buchhändlerlehre in Leipzig und Arbeit als Gehilfe der Camp'schen Buchhandlung zu Braunschweig, nach dem Besuch verschiedener Schulen und zwischenzeitlicher Tätigkeit im elterlichen Schnittwarengeschäft, meldete sich der 27-jährige Preusker freiwillig zur Lausitzischen Landwehrbrigade in Bautzen. Als Regimentsquartiermeister leistete er Garnisonsdienst u. a. in Dresden, Görlitz, Zittau und schließlich ab September 1921 in Döbeln. Hier heiratete er am 15. Januar 1822 die Bürgermeisters- und Kaufmannstochter Amalie Agnes Löwe. Preusker bemühte sich um die Rentamtstelle im damaligen Hayn und suchte um seine Entlassung aus dem Militär nach. Er wurde 1824 Adjunkt (Gehilfe) des Rentbeamten, ein Jahr später wirklicher Rentamtmann in hiesiger Stadt und besaß nun - endlich - eine gesicherte Stellung, die ihm genügend Zeit für die Familie (seine Frau gebar ihm sechs Töchter), vor allem aber für sein fortschrittliches Wirken als Heimat- und Altertumsforscher sowie Volksbildner einräumte. Die Ereignisse seiner immensen Arbeit fanden in zahlreichen Schriften ihren Niederschlag, als deren wohl bekannteste die "Blicke in die vaterländische Vorzeit ..." genannt werden können. Doch der Rentamtmann beließ es nicht bei der Theorie. Hayn war in den Jahren seiner Zeit ein aufstrebendes Städtchen. Das Jahr 1818 nennt 5 258 Einwohner, bis zum Jahre 1871 stieg deren Zahl auf etwa das Doppelte. Viele fanden in Schafwollspinnereien, Kattun- und Tuchfabriken und in metallverarbeitenden Betrieben Lohn und Brot.
In seiner Funktion als Rentamtmann in Großenhain war Preusker mit Kassenführung, Zinsberechnung, Kontrolle des Straßenbaus und ähnlichem beschäftigt.

Sonntagsschule für Lehrlinge
Bereits am 24. Oktober 1828 richtete Preusker zusammen mit Dr. Reiniger die "1. vaterländische Bibliothek" Deutschlands ein, eröffnete 1830 eine der ersten Sonntagsschulen für Handwerkerlehrlinge und Gesellen und gründete 1832 nach eigenem Entwurf den Gewerbeverein. Von ihm ging die Initiative zur Bildung eines Frauenvereins und der Kinderbewahranstalt aus; er bemühte sich um die Errichtung einer Sparkasse u. v. a. Am 4. Mai 1840 erkielt Karl Preusker die Kgl. Preuß. große goldene Verdiensmedaille für Wissenschaft und Künste; am 21. September d. J. wurde er Ehrenbürger der Stadt. Sein Name war bald über ihre Grenzen und die des Landes bekannt, denn er gehörte als Ehrenmitglied ungefähr 60 wissenschaftlichen Gesellschaften und Vereinigungen an. Darüber hinaus führte er einen ausgedehnten Briefwechsel mit "neunthalbhundert Personen".

Im Jahre 1853 übergab Preusker seine Altertümersammlung dem Kgl Antikenkabinett in Dresden. Als 1854 das Rentamt mit dem von Moritzburg vereinigt wird, ließ er sich pensionieren. Nun war Zeit für seine Autobiografie und die gedruckte Übersicht seiner wissenschaftlichen Sammlungen. Der "schöne Greis im Silberhaar, mit den klaren freundlichen Augen" (so die Beschreibung eines Großenhainers) führte noch bis kurz vor seinem Tode am 15. April 1871 den Lesezirkel "seiner" Bücherei. Die Gewerbevereine Sachsens stifteten noch im gleichen Jahr das Grabmal auf dem Großenhainer Friedhof.
