Flugplatz Großenhain

Der Flugplatz Großenhain (besetzt von der Gruppe der Sowjetischen Streitkräfte in Deutschland bzw. der Westgruppe der Truppen in der DDR) befindet sich in nördlicher Stadtrandlage, 30 km nordwestlich von Dresden. Er hat eine Größe von 357 ha.

Start- und Landebahn: Beton, 2440 x 60 m, Hauptrichtung 300°; Mittelpunktkoordinaten 51°18'28" N, 13°33'24" O; Luftlandekurs 115-2950

Er wurde von den Luftstreitkräften der UdSSR bzw. der Russischen Föderation 48 Jahre (1945 - 1993) genutzt. 

 

Historische Entwicklung

Die militärische Nutzung des Flugfeldes begann 1914 und dauerte bis zum Beginn des 1. Weltkrieges. Als Ergebnis des Versailler Vertrages blieb der Flugplatz bis 1934 im Wesentlichen (ab 1925 Notlandeplatz) militärisch ungenutzt.

Die Besetzung des Flugplatzes durch die Rote Armee erfolgte im Mai 1945.
Der dreifache Held der Sowjetuniom, Gardeoberst A. I. Pokryschkin landete mit seiner Division am 2. Mai 1945 auf dem Großenhainer Flugplatz.
Die bestehende Start- und Landebahn sowie die existierende Infrastruktur (u. a. Flugzeughallen, Gebäude und Rollfeld) wurden von den sowjetischen Truppen vollständig übernommen. Es gab 2 befestigte Start- und Landebahnen: 1. mit Ost- West- Richtung 1375 x 80 m, 2. mit Nord- Süd- Richtung 800 x 80 m.

In den 50er und 60er Jahren wurde die Start- und Landebahn in Ost- West- Richtung mehrfach verlängert auf insgesamt 2375 x 48 m und dafür landwirtschaftliche Flächen enteignet sowie eilig offene Splitterschutzdeckungen (AP-S) errichtet. Die Treibstoffzufuhr wurde integriert und die Zurollwege mit vorgefertigten Stahlbetonplatten befestigt.

Seit den 60er Jahren gab es zwei befestigte Vorstartlinien und einen Ringrollweg. Da die Start- und Landeahn nun bis dicht an die Bahnstrecke Dresden - Großenhain - Cottbus reichte, wurde bei Elektrifizierung dieser Bahnstrecke im Anflugbereich ein so genannter "Schwungfahrtabschnitt" eingerichtet. Bei Flugbetrieb Richtung Osten war die Aufstellung von Sperrposten an der an den Flugplatz angrenzenden Fernverkehrsstraße 101 Richtung Elsterwerda notwendig.
In den späteren Jahren wurde der Verkehr bei Flugbetrieb per Ampel geregelt.

Zwischen 1968 und 1971 wurden 40 geschlossene Deckungenr für Flugzeuge (AU-13) aus Eisen und Beton gebaut.

In den 70er Jahren wurde ein Divisions-Kommandopunkt (AU-13) und zwischen 1971 und 1973 ein weiteres Munitionslager für so genannte Sonderwaffen (2 Bunker vom Typ GRANIT 2) errichtet.

Die letzte Rekonstruktion des Rollfeldes und der Start- und Landebahn erfolgte 1983 - 1984.

Der Funkrufname des Flugplatzes war seit den 70er Jahren ARARAT (vorher WOLSHNO, GLAWK).

Zum Beispiel waren folgende Flugzeugtypen von 1945 bis 1993 auf dem Flugplatz Großenhain stationiert:
La-5, La-7, P-39, IL-2, IL-10, Yak-9, Yak-12, MiG-15UTI, MiG-17F, Su-7B/ BM, Su-17, Su-24, An-2, MiG-23UB, MiG-27M/ D, Mi-9 ...

In den letzten Jahren des Aufenthaltes sowjetischer Streitkräfte in Deutschland war auf dem Flugplatz Großenhain das 296. Jagdbombengeschwader Dienststellen- /Feldpostnr. 81989) stationiert.
Im Jahre 1990 besaß das Geschwader 32 Flugzeuge vom Typ MiG-27M/ D und 8 Flugzeuge vom Typ MiG-23UB/ U.
Das 296. Jagdbombengeschwader nutzte drei Luftschießplätze: Heidehof (Hauptschießplatz), Belgern, Wittstock.
Außerdem befand sich in Großenhain der Stab der 105. Jagdbomberdivision (zu der die Geschwader Großenhain, Finsterwalde und Brand gehörten).

Der Abzug von 28 Flugzeugen des Typs MiG-27M/ D und 8 MiG-23 UB/ U des 296. Jagdbombengeschwaders erfolgte nach Tschebenki (Orenburger Gebiet) zur Aufbewahrungsbasis am 22. März 1993.

Danach wurde das Territorium des Flugplatzes zur zivilen Nutzung (u. a. an einen Fliegerklub für Privatflüge sowie an den Freistaat Sachsen) übergeben.

Viele Gebäude und Einrichtungen wurden in den darauffolgenden Jahren abgerissen, einige im Zuge der Entwicklung eines Gewerbegebietes erhalten und rekonstruiert.