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GSSD in Deutschland

Tafel aus der Garnison Zeithain
(c) М. Reichel


Auszug aus dem Vorwort:

Die Westgruppe der Truppen verlässt Deutschland, wird aber für immer ihren Platz in der Geschichte behalten.
des

Oberbefehlshabers der Westgruppe der Truppen Generaloberst M. Burlakow, 1994
zum Gedenkalbum

Sowjetische Truppen in Deutschland 1945 – 1994

 

 

Etwas weniger als ein halbes Jahrhundert wirkte auf dem Territorium Ostdeutschlands die mächtigste Gruppierung der bewaffneten Kräfte der Sowjetunion und Russlands und erfüllte die ihr gestellten Aufgaben – die Westgruppe der Truppen. Millionen unserer Mitbürger dienten in ihren legendären berühmten Verbänden und Truppenteilen, kamen in Berührung mit der lebendigen militärischen Geschichte und wurden selbst aktive Teilnehmer der großen und dramatischen Ereignisse, die sich im Zentrum Europas vollzogen.

Die Geschichte der Westgruppe der Truppen ist untrennbar verbunden mit der siegreichen Beendigung des Zweiten Weltkrieges durch die alliierten Truppen und der Nachkriegsgestaltung des deutschen Staates auf der Basis der Entscheidungen der Konferenzen von Jalta und Potsdam der drei Staatsoberhäupter: der UdSSR, der USA und Großbritanniens. Wie bekannt, blieben im Einklang mit diesen Entscheidungen die Truppen der Staaten der Anti-Hitler-Koalition auf dem Territorium des besiegten faschistischen Reiches, um einen sicheren Frieden zu garantieren. Für die Verwirklichung der Ziele und Forderungen, die sich aus der bedingungslosen Kapitulation des faschistischen Deutschlands ergaben, wurde ein Teil der sich zu dieser Zeit auf deutschem Boden befindlichen Einheiten, Verbände und Truppenteile der Ersten und Zweiten Belorussischen und der Ersten Ukrainischen Front im Juni 1945 in die Gruppe der sowjetischen Besatzungstruppen in Deutschland (GSBTD) überführt.

Am 9. Juni 1945 wurde der Befehl Nr. I des Oberkommandierenden der Sowjetischen Militäradministration in Deutschland und des Oberkommandierenden der Gruppe der Sowjetischen Besatzungstruppen in Deutschland unterzeichnet. Dieses Datum wird als Tag der Bildung der Westgruppe betrachtet.

In den Bestand der GSBTD gingen Armeen, Divisionen, Brigaden und Regimenter ein, die ihre Fahnen mit unvergänglichem Ruhm bedeckt hatten, die mit Würde und in Ehren ihren Kampfweg von Moskau über die Mauern von Stalingrad bis Berlin und Prag gegangen waren. Als Erinnerung an den Kampfesruhm und die tapferen und edlen Traditionen der Befreier erklangen und erklingen die Ehrennamen der Truppenteile und der Einheiten: Ural – Lwower, Saporosher Panzerdivision, das Berditschew -, Proskurows- Berliner, das Nowgorod – Berliner Regiment usw. Durch Standhaftigkeit, Mut, Selbstverleugnung und Selbstaufopferung waren die umkämpften Kilometer ihrer militärischen Schicksale und ihr Weg zum Sieg gekennzeichnet, für den ein so hoher und furchtbarer Preis bezahlt wurde – Millionen toter Landsleute.

Die Westgruppe der Truppen verlässt Deutschland, wird aber für immer ihren Platz in der Geschichte behalten.desOberbefehlshabers der Westgruppe der Truppen Generaloberst M. Burlakow, 1994zum GedenkalbumSowjetische Truppen in Deutschland 1945 – 1994

 

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im Treptower Park
im Treptower Park in Berlin

Diese Einheiten, Verbände und Truppenteile wurden von den ruhmreichen Feldherren und Befehlshabern Wassilij Iwanowitsch Tschuikow, Dmitrij Danilowitsch Laljuschenko, Semjon Iljitsch Bogdanow, Michail Jefremowitsch Katukow, Sergej Ignatjewitsch Rudenko, Wassilij Iwanowitsch Kusnezow und anderen kommandiert. Unter den mehr als 1.500 Helden der Sowjetunion, die ihre Heldentaten im Bestand der Truppen, die später der GSBTD angeschlossen wurden, vollbrachten, befanden sich die weltberühmten Namen von Michail Jegorow und Meliton Kantaria, die das Banner des Sieges über dem erstürmten Reichstag hissten.

Es ist nicht überflüssig, daran zu erinnern, dass nicht durch Akte des Vandalismus und der Gewalt, sondern durch Hilfe für die Zivilbevölkerung die ersten Stunden und Tage des Aufenthaltes der Sowjetischen Truppen in Berlin und anderen deutschen Städten und Ortschaften gekennzeichnet waren. Und danach wurde das zur Tradition. Während des Bestehens der Westgruppe haben ihre Angehörige nicht wenig Heldentaten und edle Handlungen im Verhältnis zur einheimischen Bevölkerung vollbracht, darunter die Rettung des Lebens deutscher Bürger. Und das Symbol der Westgruppe- der Soldat mit dem geretteten deutschen Mädchen im Arm, das die gesamte Geschichte der Westgruppe begleitete, ist überhaupt kein Zufall. Nach der Abschaffung der Besatzungsfunktionen im Jahre 1954 hieß die Gruppe der Sowjetischen Besatzungstruppen in Deutschland Gruppe der Sowjetischen Truppen in Deutschland (GSTD). Rechtliche Basis ihres Aufenthaltes auf dem Territorium Ostdeutschlands war der Vertrag über die Beziehungen zwischen der UdSSR und der DDR vom Jahre 1955. Im Jahre 1989 wurde die Gruppe der Sowjetischen Truppen in Deutschland in Westgruppe der Truppen umbenannt (WGT). Im Laufe der langen Jahre der bewaffneten Konfrontation in Europa, des Wettrüstens, des ununterbrochenen Anwachsens der atomaren Arsenale war die Westgruppe der Truppen (GSBTD, GSTD) einer der Faktoren der Eindämmung und der militärisch-politischen Stabilität. Als mächtigste, stets mit den neuesten Mustern der Kampftechnik und der Bewaffnung ausgestattete Streitmacht, war sie eine wahre Schule der Ausbildung von hochqualifizierten Militärs. Den Maßstäben ihrer Tätigkeit nach, den Schwierigkeiten der Sicherung des täglichen Lebens, der militärischen Ausbildung, der materiell-technischen, medizinischen sowie der Versorgung mit den Dingen des soldatischen Bedarfs und mit Nahrungsmitteln, dem Netz der Reparaturbetriebe, und den bis vor Kurzem noch arbeitenden Produktionsbetrieben und – einheiten nach, hatte und hat die Westgruppe der Truppen (GSBTD, GSTD) als militärische  Struktur keine Analogie.

Massenkommunikationsmittel der Westgruppe der Truppen waren und sind das Pressezentrum, die Zeitung der Gruppe „Naslednik Popjedy“ („Krasnaja Armija“, „Sowjetskaja Armija“), die Zeitung der Einheit der Luftstreitkräfte „Wosduschnij Strasch“, auflagenstarke Divisionszeitungen, der Rundfunksender „Wolga“, ein breites Netz von Fernsehstudios und Rundfunkstationen.

Über die Soldaten der Gruppe wurden Lieder gemacht und Gedichte geschrieben.

Auf dem Territorium Deutschlands verbleiben eine Vielzahl von Gräbern sowjetischer Soldaten, Obelisken und Denkmäler als Auftrag an die künftigen Generationen, die schweren und schrecklichen Lehren der Vergangenheit nicht zu vergessen. 

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Exponat der Flugplatzausstellung in der Bunkeranlage

Literatur

Sowjetische Truppen in Deutschland. Ihr Hauptquartier in Wünsdorf. 1945 - 1994.


Hans-Albert Hoffmann, Siegfried Stoof

"Sowjetische Truppen in Deutschland. Ihr Hauptquartier in Wünsdorf. 1945 - 1994."

Geschichte - Fakten - Hintergründe.

Im Selbstverlag 2008.

ISBN 978-3-00-023449-1

 

Zur Erinnerung an die Präsenz sowjetischer Truppen in Deutschland vom Mai 1945  bis zum September 1994.

 

"Eingebettet in die militärpolitische Lageentwicklung nach dem Zweiten Weltkrieg soll dieses Buch einen Überblick über die Neunundvierzigjährige Geschichte der sowjetischen Streitkräfte in Deutschland geben.

Struktur, Ausrüstung und mögliche Einsatzgrundsätze in den einzelnen Etappen des "Kalten Krieges" sowie die Arbeits- und Lebensbedingungen der Offiziere und Soldaten werden anschaulich dargestellt.

Besonderes Augenmerk gilt der Beschreibung des Militärstandortes Wünsdorf als Hauptquartier der sowjetischen Truppen in Deutschland und der wichtigsten Bunkeranlagen des sowjetischen Oberkommandos für den "Ernstfall".

Da die russischen Archive immer noch geschlossen sind, trugen die Autoren eine Vielzahl an Fakten aus unterschiedlichen russischen Veröffentlichungen und Aussagen von Zeitzeugen zusammen."
(Zitat: letzte Umschlagseite)

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