Geschichte des sowjetischen Ehrenfriedhofes Großenhain

 

Anfang Mai 1945 wurde mit dem Bau der Ehrenfriedhofsanlage der Roten Armee im Ortsteil Mülbitz, Am Michaelisheim, begonnen.

Der Entwurf der Anlage stammte vom damaligen sowjetischen Kreiskommandanten.

Die Maurerarbeiten wurden von der Stadt Großenhain, die Tafeln der Obelisken und der Zaun von verschiedenen Tischlermeistern ausgeführt, sonstige Arbeiten waren Arbeitseinsatzleistungen.

ca. 1946/47
Eingang zum Ehrenhain
ca. 1946/47

 

Mit dem Bau des Denkmals wurde im Oktober 1945 begonnen, einschließlich Eingangstor und Gräbereinfassungen, sowie Versetzung eines Wasserbassins.

 

Die für den Friedhof benötigten Einfassungen und Obelisken wurden durch die Firma „Menzel“ – Stahlbetonfertigteile (P. Menzel K.-G.) in Elsterwerda gefertigt. Das Kies- und Bodenfahren sowie die Einzäunung des Ganzen wurde von der Firma Emil Möller (Hochbau – Tiefbau – Eisenbetonbau, Baumaterialien, Holzhandlung in  Großenhain, Herrmannstraße 23) übernommen und ausgeführt.

Das zentrale Denkmal wurde aus Meissner Granit gefertigt. Im Mai 1946 wurde der Denkmalsbau beendet, die letzte Grabeinfassung wurde am 29. April 1948 gemauert.

Im April 1946 wurden 250 Rhododendron auf dem Sowjetischen Ehrenfriedhof gepflanzt.

etwa 1950

60er Jahre

 

Die Gesamtkosten einschließlich der gärtnerischen Arbeiten, Arbeitslöhne und Material beliefen sich auf 33.465,53 Deutsche Mark. Für die Gräber wurden 1.350 Mauerziegel, 25 Zentner Kalk, 214 Zentner Zement und 86 m³ Kies und 15 m³ Sand, 97 Obelisken mit Tafeln und 97 Sowjetsterne benötigt. Das Streichen und Beschriften der Tafeln wurde vom Maler Schröter ausgeführt. Ein Teil der Tafeln wurde ein zweites Mal erneuert und gingen zum Teil auf Rechnung der Stadt und des Landrates.

Der Friedhof wurde damals von einem amtlich eingesetzten Friedhofsverwalter bewacht bzw. in Ordnung gehalten.

 

Laut eines Schreibens (Nr. 233) des Stadtbauamtes an den Landrat, Abteilung Verwaltung vom 21.02.1946, sind 1946 „innerhalb des Stadtkreises Großenhain nachstehende Grabstätten der Roten Armee bzw. russischer Staatsangehöriger vorhanden:

  1. Der  im Ortsteil Mülbitz für die Rote Armee angelegte Militärfriedhof Am Michaelisheim. Dieser wird von einem amtlich eingesetzten Friedhofsverwalter bewacht bez. in Ordnung gehalten.
  2. Friedhof der Kirchgemeinde Großenhain mit einem ebenfalls amtlich eingesetzten Friedhofsverwalter seitens der Kirchgemeinde. Sonst wie vor.
  3. Die Grabstätte auf dem Flugplatzgelände unmittelbar am Haupteingang Elsterwerdaer Straße wird von unserer Stadtgärtnerei auf besondere Anweisung der Flugplatzbesetzungsdienststelle in Ordnung gehalten und überwacht.
  4. Die Pflege der zwei Grabhügel in Mülbitz, Nauleiser Straße, führt Frau Helene Ulbricht, Nauleiser Straße 2, aus, wobei ebenfalls seitens unserer Stadtgärtnerei entsprechende Vorsorge getroffen wird.
  5. Die Grabstelle in der Kiesgrube, Äußere Dresdner Straße, wird direkt durch unsere Stadtgärtnerei überwacht und gepflegt.

Eine Bepflanzung der unter 3 - 5 aufgeführten Grabstätten ist vorgesehen, konnte jedoch der kalten Jahreszeit wegen noch nicht vorgenommen werden. Die vorgenannten Grabstätten befinden sich gegenwärtig in einem der Jahreszeit entsprechenden Zustand.“ (Zitat-Quelle: Kopie des Schreibens, Stadtarchiv)

 

Ein Protokoll vom 25. April 1949 belegt die offizielle Übergabe der sowjetischen Friedhofsanlage in Mülbitz von der sowjetischen Garnison an die Stadt Großenhain. Die Vertreter der Militärkommandantur des Kreises Großenhain Hauptmann Schugailo und der Vertreter der örtlichen Verwaltung, Angestellter des Bauamtes der Stadt Großenhain, Johannes Böhme haben in Anwesenheit des Leiters der Schutzpolizei, Oberkommissar Schenk und des Leiters des Bauamtes, Baumeister Dümmler die Friedhofsanlage mit Datum vom 25. April 1949 übergeben bzw. übernommen. Bei dieser offiziellen Übergabe wurde protokollarisch festgehalten:

„Der Friedhof befindet sich in der Stadt Großenhain. Insgesamt sind auf ihm 328 Personen beigesetzt, darunter 28 Offiziere, 87 Sergeanten und Soldaten, 5 Frauen, 5 Kinder und 203 unbekannte sowjetische Armeeangehörige. Die Gesamtzahl der Gräber beträgt 96, d. h. 58 Einzelgräber und 38 Sammelgräber. In den Sammelgräbern sind beigesetzt:

  • in 15 Gräbern – je 2 Personen
  • in 7 Gräbern – je 3 Personen
  • in 3 Gräbern – je 4 Personen
  • in 3 Gräbern – je 5 Personen
  • in 1 Grab –  6 Personen
  • in 2 Gräbern – je 7 Personen
  • in 1 Grab – 9 Personen
  • in 1 Grab – 14 Personen
  • in 1 Grab – 18 Personen
  • in 1 Grab – 24 Personen
  • in 1 Grab – 29 Personen
  • in 1 Grab – 33 Personen
  • in 1 Grab – 45 Personen

Denkmäler: 1

Die Fläche der Friedhofsanlage beträgt 39,75 x 38,30 = 1522,43 m². Der Friedhof befindet sich in einem guten Zustand.

Anmerkung:

Die Listen der Beigesetzten ist in der Kreiskommandantur Großenhain und in der Friedhofsverwaltung vorhanden.“ (Quelle: Kopie, Stadtverwaltung Großenhain; Übersetzung d. Autor)

 

Im Mai 1949 wurde die Firma Gerhard Jähne, Werkstatt für Kunst- und Dekorationsmalerei beauftragt, die verwitterten Holztafeln neu zu bemalen und zu beschriften. Die 98 Holztafeln (Maße 30 x 40 cm) bekamen einen neuen einheitlich weißen Lackanstrich, wurden mit schwarzer Lackfarbe in  russischer Sprache beschriftet und eingefasst und mit einem Roten Stern bemalt. Für diese Arbeiten wurden von der Stadt 588 DM gezahlt.

 

Im Jahre 1952 wurde über die sowjetischen Kommandanturen des Flugplatzes Großenhain und in Riesa sowie den Stadtrat Großenhain eine Um- und Neugestaltung des Ehrenfriedhofes in Auftrag gegeben. Zunächst war geplant, diese Arbeiten bis zum 8. Mai 1952 (Tag der Befreiung) abzuschließen. Aufgrund der Kurzfristigkeit der Beauftragung einer Firma wurde der Beginn der Durchführung der Um- und Neugestaltungsarbeiten für nach den 8. Mai 1952 festgelegt.  Ausführende Firma der Neugestaltung und Einfriedung wurde die Firma Ernst Burkhardt (Werkstätten für Friedhofskunst, Bauschmückung und Steinmetzarbeiten, Dresden N 23, Hauptgeschäft: Maxim- Gorki- Straße 1, Steinmetzwerkplatz: Hechtstraße 167 am St.-Pauli-Friedhof).

 

Im Zuge der Neugestaltung wurden alle Einzelgräber eingeebnet und dafür 5 große Gedenksteine mit entsprechender Anlage aufgestellt. Die Erdarbeiten im Juni 1952 wurden durch Mitglieder der Betriebsgruppe der Gesellschaft für Deutsch-Sowjetische Freundschaft des Finanzamtes Großenhain in ehrenamtlicher Weise (an 10 Tagen von 17 – 20 Uhr durch jeweils 15 Mitglieder) nach Feierabend unterstützt. Die erforderlichen Arbeiten durch die Firma Burkhardt beliefen sich auf insgesamt 7030 DM zuzüglich 1392 DM gärtnerischer Kosten.

Eine aktualisierte Liste der auf dem Ehrenfriedhof Beigesetzten vom Jahre 1952 ist in der Stadtverwaltung Großenhain vorhanden.

 

Ihr zufolge gibt es in insgesamt 8 Abteilungen 332 Beigesetzte:

  • Abteilung 1:       48 Militärangehörige
  • Abteilung 2:       34 Militärangehörige
  • Abteilung 3:       47 Militärangehörige
  • Abteilung 4:       34 Militärangehörige
  • Abteilung 5:       109 Militärangehörige
  • Abteilung 6:       53 Militärangehörige
  • Abteilung 7:       5 Militärangehörige / Einzelgräber
  • Abteilung 8:       2 Kindergräber

 

Im Jahre 1995 wurde eine Aktualisierung der Liste der auf dem sowjetischen Friedhof Beigesetzten durch die Stadtverwaltung Großenhain in Auftrag gegeben. Deren zufolge gibt es kaum Abweichungen von den Angaben der Liste der sowjetischen Kommandantur aus dem Jahre 1952 und keine neuen Erkenntnisse insbesondere zu den als Unbekannt Beigesetzten.

Es ist anzunehmen, dass die sogenannten „unbekannten sowjetischen Armeeangehörigen“ verstorbene sowjetische Kriegsgefangene aus umliegenden Kriegsgefangenenlagern, z. B. Stalag IV B in Mühlberg, sind, die 1945 auf den Großenhainer Ehrenfriedhof umgebettet wurden.

(Material freundlichst zur Verfügung gestellt von der Stadtverwaltung Großenhain, Ordnungsamt.)

Kriegsgefangenenlager Stalag IV B Mühlberg/ Elbe

Fotos: C. Gärtig