Am 1. April 2014 begeht der Flugplatz Großenhain sein 100-jähriges Bestehen. 

1914 als Militärfliegerstation für die 3. Königlich-Sächsische Kompanie des Königlich-Preußischen Fliegerbataillons Nr. 1 erbaut, war er während seiner wechselvollen Geschichte oft einer der aktivsten und attraktivsten Flugplätze Deutschlands. 

Werfen wir einen Blick zurück in die bewegte Geschichte des Platzes, der u. a. Großenhain einst zur Blüte verholfen hat.

Die seit 1911 zunehmende Ausbildung sächsischer Offiziere als Militärflieger in der sog. 3. (Königlich-Sächsischen) Kompanie des Königlich-Preußischen Fliegerbataillons Nr. 1 erforderte den Bau einer eigenen Militärfliegerstation. Der ausersehene Kommandeur des zu bauenden Fliegerhorstes, der damalige Hauptmann Horst Benno Adolf von Minckwitz (1877 – 1956), fand das Gelände am nördlichen Stadtrand von Großenhain als besonders geeignet.
Ende 1913 wurde der Bau der Flugplatzanlagen begonnen und unter von Minckwitz zügig vorangetrieben. Die Stadt versprach sich vom Bau der Fliegerstation höheres Ansehen und wirtschaftliche Vorteile und unterstützte deshalb tatkräftig dieses Vorhaben.
Am 21. Februar 1914 landete das erste Militärflugzeug, eine DFW-Taube A 184.13 (“Mars-Taube“), vor zahlreich erschienenem städtischem Publikum in Großenhain. 

Fliegerkompanie auf dem Hauptmarkt in Großenhain
Begrüßung der Fliegerkompanie auf dem Hauptmarkt in Großenhain Bildquelle: Sammlung C. Gärtig

Mit dem Eintreffen der 3. (Sächsischen) Fliegerkompanie mit Bodenpersonal und Technik in der Stadt am 16. März 1914 und ihrer offiziellen und feierlichen Begrüßung am Folgetag durch die Stadt Großenhain begann der regelmäßige Flugbetrieb auf dem Großenhainer Fliegerhorst. 
Am 22. März trafen dann die ersten Flugzeuge für die Kompanie ein und am 1. April 1914 wurde der Flugplatz Großenhain einsatzbereit gemeldet. 
Flugzeugführer und Beobachter wurden damals in Großenhain ausgebildet. Unter ihnen finden sich bekannte Namen wie Manfred  Freiherr von Richthofen, der „Rote Baron“, oder Rudolf Berthold, Rudolf Windisch, Franz Büchner. 
Von der Bedeutung des neuerbauten Fliegerhorstes zeugt auch der mehrmalige Besuch des sächsischen Königs Friedrich August III. mit Gefolge. 
Zahlreiche Kasernen, darunter auch eine Funkerkaserne, Flugzeugmontagehallen, Wirtschaftsgebäude, eine Wache, ein Restaurant und ein Fliegerdenkmal wurden errichtet. Ungeachtet nicht weniger Pannen und Flugunfälle steigerte sich der militärische Flugbetrieb in Großenhain. Ständige Erweiterungsbauten, besonders in den Jahren des 1. Weltkrieges, machten sich deshalb notwendig. 

Fliegerhorst Großenhain – Historische Ansichtskarte
Fliegerhorst Großenhain – Historische Ansichtskarte Sammlung C. Gärtig

Im August 1914 rückten innerhalb weniger Tage 29 Flugzeuge mit einem Personal von 479 Offizieren, Unteroffizieren und Mannschaften an die Front ab. 
Daraufhin wurde die Fliegerstation Großenhain für die 6. Königlich-Preußische Ersatzabteilung (FEA 6) bereitgestellt und Hauptmann Horst Benno Adolf von Minckwitz zu deren erstem Kommandeur berufen. 
Im November 1919 aktivierten die revolutionären Ereignisse auch die Soldaten der Großenhainer Fliegereinheit. Revolutionäre Flieger vereinigten sich mit der Großenhainer Arbeiterschaft in einem gemeinsamen Arbeiter- und Soldatenrat, dessen Bildung beispielhaft in Deutschland war. 
Mit dem Inkrafttreten des Versailler Vertrages 1920 endete zunächst der fortwährende Ausbau der Fliegerstation in Großenhain. Sie musste sich auflösen, ihre Anlagen wurden teils zerstört. Einige wenige blieben jedoch noch lange erhalten. 
In den Folgejahren wurde das Gelände für Notwohnungen, sportliche Großveranstaltungen sowie von der auf ihm errichteten Papierfabrik genutzt. 
Die zunächst geheime Remilitarisierung in der Weimarer Republik und die spätere systematische Remilitarisierung durch die Nationalsozialisten führten dazu, dass aus Großenhain ab 1935 wieder eine Militärfliegerstadt wurde. Ab 1935 war auf dem Flugplatz eine Fernaufklärereinheit stationiert. 
Das 25-jährige Bestehen des Flugplatzes beging die Stadt 1939 mit einer Jubelfeier. 
Im „Heimatkalender“ von 1940 konnte man in einem Rückblick auf das 25-jährige Bestehen des Fliegerhorstes folgendes lesen: „In den Tagen vom 30. Juni bis 3. Juli beging unsere alte Fliegerstadt Großenhain in festlichen Veranstaltungen das 25-jährige Bestehen des Fliegerhorstes. Für die Stadt selbst und die gesamte Einwohnerschaft von Großenhain war es eine hohe Ehre und eine große Freude, während dieser Festtage die alten und jungen Fliegerkameraden wieder einmal beherbergen zu können. Jeder der zahlreich und gern herbeigeeilten Gäste aber konnte sich überzeugen, dass Großenhain nach wie vor eine besondere Verbundenheit zur Fliegerei besitzt.“1 

Postkarte von 1916 „Gruß aus der Fliegerstadt Großenhain“
Postkarte von 1916 „Gruß aus der Fliegerstadt Großenhain“ Sammlung C. Gärtig

Neben dem militärischen Auf- und Ausbau des Großenhainer Fliegerhorstes begann im Januar 1942 auch die zivile Ausbildung junger Menschen zu Metallflugzeugbauern. 
Jagd-, Schlacht- und Zerstörergeschwader flogen im 2. Weltkrieg sowohl Einsätze zum Schutz des Mitteldeutschen Industriegebietes als auch Einsätze an der Ostfront. 
Am 21. April 1945 wurde der Flugplatz Großenhain durch die Deutsche Luftwaffe geräumt, bis er dann Ende April 1945 kampflos durch sowjetische Truppen, zuerst durch die 9. Garde-Jagdfliegerdivision unter Kommandeur Gardeoberst Alexander I. Pokryschkin (59 Luftsiege, 3-facher „Held der Sowjetunion“) besetzt wurde. 

Veteranen der Pokryschkin-Division 1989
Veteranen der Pokryschkin-Division zu Besuch 1989 in der sowjetischen Garnison Foto: W. Tschikildik/ Sammlung C. Gärtig

Während der 48-jährigen Stationierung sowjetischer Streitkräfte bis zum August 1993 wurde der Flugplatz ständig weiter ausgebaut. 
So wurde beispielsweise die Start- und Landebahn mehrfach auf insgesamt über 2000 m erweitert. Zahlreiche Bogendeckungen (Shelter), ein Flugleitbunker und 2 Bunker vom Typ GRANIT als sog. Sonderwaffenlager wurden zur Erhöhung der Gefechtsbereitschaft in den Jahren des Kalten Krieges von den sowjetischen Truppen errichtet. 
Um das Gelände des Flugplatzes wuchs eine ganze Garnisonsstadt, mit Wohnungen, Versorgungseinrichtungen, Kindereinrichtungen und Schule, Krankenhaus, Sport- und Freizeitanlagen, Werkstätten und Dienstleistungsgebäuden (insgesamt ca. 200 Gebäude). 
Doch das Leben hinter den Mauern der sowjetischen Garnison, in der bisweilen über 8000 sowjetische Staatsangehörige lebten, blieb der Großenhainer Bevölkerung größtenteils verborgen. 
Stationiert waren in Großenhain von 1945 – 1993 verschiedene Jagdfliegerregimenter sowie der Stab der 105. Jagdfliegerdivision. 
Ab dem 10. August 1993 wurde die 105. Jagdfliegerdivision von deutschem Boden abgezogen. 40 russische Jagdbomber und 1 Hubschrauber verließen 1993 den Flugplatz Großenhain in Richtung Woronesh (Russland). Ein Transporter vom Typ An-2 wurde an die Flugwerft in Schleißheim des Deutschen Museums übergeben. 
Zurück ließen die Truppen zwei von ihnen errichtete Monumente – das Denkmal der MiG-17 und eine Stele, die an den Zeitraum der Besatzung erinnert.

Denkmal der MiG-17
Denkmal der MiG-17 Foto: C. Gärtig

Sie steht heute restauriert vor den Bunkern der „Flugplatzausstellung“. 
Mit dem Abzug der Westgruppe der Truppen, so ihre offizielle Bezeichnung, endete 1993 nach ca. 80 Jahren die militärische Nutzung des Flugplatzes Großenhain. 
Seitdem sind wiederum 20 Jahre vergangen. Auf dem ehemaligen sowjetischen Garnisonsgelände südlich der Stadt- und Landebahn ist ein modernes Gewerbegebiet entstanden. Es trägt den Namen „Gewerbegebiet Flugplatz“, und bis heute nicht zu unrecht. 

„Flugplatzausstellung Großenhain“ in Bunkeranlage GRANIT
„Flugplatzausstellung Großenhain“ in Bunkeranlage GRANIT Foto: C. Gärtig

Als Verkehrslandeplatz wird der Flugplatz momentan noch vor allem von Hobby- und Sportfliegern genutzt. Ein sogenanntes „Fliegendes Museum“ mit zahlreichem historischem Fluggerät fand hier seine Heimstatt. 
Viele der im Gewerbegebiet ansässig gewordenen Firmen versuchten der Geschichte dieses Ortes Rechnung zu tragen, indem historische Gebäude restauriert und rekonstruiert wurden. Malereien mit Motiven zur Flugplatzgeschichte wurden liebevoll angebracht oder erhalten. Auch das Denkmal der MiG-17 wurde restauriert und nach dem Tornado erneut repariert. 
Auch wenn vom einstigen Glanz und der Größe der Flughafen-Architektur heute nicht mehr viel übrig geblieben ist, so lässt sich für den interessierten Bürger oder Besucher der Stadt die einstige Geschichte des Flugplatzes noch erkunden, beispielsweise über die einzelnen Objekte des Denkmalpfades. Dazu gehören das Denkmal der MiG-17, das technische Denkmal der Kompensierscheibe und die „Flugplatzausstellung Großenhain“ in der Bunkeranlage GRANIT. Ausführliche Informationstafeln an diesen Objekten klären den interessierten Besucher auf. 

Informationstafel zur Geschichte des Flugplatzes
Insgesamt 10 solcher Informationstafeln zur Geschichte des Flugplatzes zeigt die „Flugplatzausstellung“ von Herrn Marcel Reichel Foto: M. Müller

Zudem lässt sich die Geschichte des Großenhainer Flugplatzes an „Tagen der offenen Tür“ und jederzeit nach Vereinbarung in der „Flugplatzausstellung“ an zahlreichen Exponaten, Tafeln und Fotografien, Militärtechnik, mittels einer Führung durch den Betreiber Herrn Reichel oder multimedial erleben. 
Weitere Zeugen aus der Geschichte des Flugplatzes sind die von Kleinflugzeugen noch genutzte Start- und Landebahn, intakte bzw. rekonstruierte, aber auch ungenutzte und verfallene Gebäude und Anlagen aus den Zeiten militärischer Nutzung. 
Der Stadtrat hat im Jahre 2013 über das Schicksal des Großenhainer Flugplatzes entschieden, über Grundstücksverkäufe und somit über das zukünftige Aus des Großenhainer Fliegervereins, der Haltergemeinschaft des Verkehrslandeplatzes und des „Fliegenden Museums“. 
Dass sich Großenhain einmal den Titel „Fliegerstadt“ gegeben hat, wird sich in einigen Jahren dann kaum noch jemand vorstellen können.

Plakette aus dem Jahre 1993 „Fliegerstadt Großenhain“
Plakette aus dem Jahre 1993 „Fliegerstadt Großenhain“ Foto: C. Gärtig

Kurios ist nur, dass die Gründe zum Bau des Flugplatzes und zur gänzlichen Verbannung der Fliegerei aus Großenhain für die Stadtväter vor 100 Jahren und heute die gleichen sind: die Erhöhung des Ansehens der Stadt und wirtschaftliche Vorteile. 
Nur, ob sich das ein zweites Mal erfüllt, bleibt abzuwarten. 

 

1 Heimatkalender 1940, Auszug zusammengestellt in der Stadtchronik Großenhain, Stadtarchiv

Autor: Carola Gärtig

(Artikel erschienen im Großenhainer Stadt- und Landkalender – Heimatkalender für die Großenhainer Pflege, 18. Jahrgang (neue Reihe), S. 104 – 107, Großenhain 2014.)

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