1933 - 1945

Von der Remilitarisierung bis zur Kapitulation nach dem II. Weltkrieg

REMILITARISIERUNG DES FLIEGERHORSTES GROSSENHAIN

Bereits in der Weimarer Republik wurde insgeheim mit der Remilitarisierung begonnen. Zunehmend systematisch erfolgte sie durch die Nationalsozialisten. Kurz nach ihrer Machtübernahme wurde in Großenhain am 14. Mai 1933 ein „Nationalsozialistischer Großflugtag“ organisiert, mit dem sie ihren Willen, aus Großenhain wieder eine Fliegerstadt – gemeint war aber eine Militärfliegerstadt – zu machen, demonstrierten.
Bis zum September 1933 wurde in Großenhain eine Segelflugschule eingerichtet. Klammheimlich ging man 1934/35 an die Errichtung des neuen Fliegerhorstes der zukünftigen deutschen Luftwaffe. Großenhain wurde zum getarnten militärischen Flugplatz.

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Anlässlich der feierlichen Übergabe der Truppenfahne an die neue Aufklärungsgruppe 123 am 1. März 1937
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Aufklärungsgruppe 11 während einer Vorführung

FERN- UND HEERESAUFKLÄRER

Ab dem 1. März 1935 war auf dem Fliegerhorst die „Fliegerstaffel Großenhain“ stationiert, die aus der Abteilung B der Fliegerschule des DLV Zweigstelle Celle-Wietzenbruch Abt. B entstand. Die Fliegerformation in Großenhain sollte eine Fernaufkläreinheit werden. Am 7. November 1935 führten die Aufklärungsflieger die erste feierliche Flaggenhissung der neuen mit Hakenkreuz versehenen Reichskriegsflagge durch.
Am 1. April 1936 wird die im März gebildete Fliegergruppe Großenhain zur (Fern-) Aufklärungsgruppe 123 mit Stab sowie 1. und 2. Staffel, die am 1. Oktober 1936 noch durch eine 3. Staffel ergänzt wurde. In feierlicher Parade wurde ihr am 1. März 1937 die Truppenfahne übergeben.
Eine Umbenennung in Aufklärungsgruppe 23 erfolgte am 1. Oktober 1937. Am 1. November 1938 wurde das Aufklärungsgeschwader 11 mit Sitz des Geschwaderstabes in Großenhain aufgestellt. Die Aufklärungsgruppe 23 wurde in Aufklärungsgruppe 11 umbenannt und gehörte neben 3 weiteren zum Aufklärungsgeschwader 11.

BETEILIGUNG AM SPANIENKRIEG

Als in den Jahren 1936 bis 1939 die sogenannte „Legion Condor“ sich am Spanienkrieg beteiligte, nahmen in ihr auch fast 300 Flieger aus Großenhain teil.

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Angetreten zum Empfang der zurückkehrenden Angehörigen der Legion Condor am 7. Juni 1939 auf dem heutigen Hauptmarkt
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Major von Minckwitz und SA-Standartenführer Julius Buckler zum 25-jährigen Jubiläum des Fliegerhorstes

JUBELFEIER ZUM 25-JÄHRIGEN BESTEHEN

Das 25-jährige Bestehen des Flugplatzes Großenhain wurde von der Stadt in der Zeit vom 30. Juni bis 2. Juli 1939 mit einem Fest gefeiert.
Zum Jubiläum gab es auch zwei Einweihungsfeierlichkeiten der Gedenksteine für die Jagdflieger Franz Büchner (am Holdinghausenring, heute Carl-Maria- von-Weber-Allee) und Rudolf Windisch (im Fliegerhorst). Von den Nationalsozialisten wurden die Veranstaltungen anlässlich dieser Feier genutzt, um die herzliche Verbundenheit der deutschen Luftwaffe mit den ehemaligen Fliegern und der Bevölkerung von Großenhain zu demonstrieren.

STATIONIERUNG

Am 26.08.1939, unmittelbar vor Kriegsbeginn, wurde der Stab des Aufklärungsgeschwaders 11 in Großenhain aufgelöst und als Stab Koluft (Kommandeur der Luftwaffe bei einem Armeeoberkommando) Heeresgruppe Süd neu aufgestellt. Sein Einsatz erfolgte 1939 in Südpolen, 1940 im Westfeldzug und 1941 beim An- griff auf die Sowjetunion.
Im Februar und April 1939 wurde zu den in der Aufklärungsgruppe 11 bereits bestehenden 3 Staffeln der Fernaufklärung noch eine 4. Staffel aufgestellt. Ende August verlegte man alle 4 Staffeln der Aufklärungsgruppe 11 auf andere Plätze. Im Oktober 1940 wurde dann auf dem Fliegerhorst Großenhain die 5. (Heeresaufklärer-) Staffel der Aufklärungsgruppe 11 aufgestellt. Zum 1. Oktober 1939 war die Aufklärungsschule Braunschweig nach Großenhain verlegt worden. Mehrfach umbenannt hieß sie ab Oktober 1942 „Fernaufklärungsschule 1“. Neben dem militärischen Auf- und Ausbau des Großenhainer Flugplatzes begann im Januar 1942 auch die zivile Ausbildung junger Menschen zu Metallflugzeugbauern.
Am 15. Februar 1945 wurde die bisherige Waffenschule zur 1. Gruppe des Fernaufklärungsgeschwaders 101. Ab dem 10. April 1944 war das Lehr- und Erprobungs- kommando 24 in Großenhain stationiert. Es hat hier möglicherweise Strahltriebwerke getestet.
Mitte 1944 lagen die 5. und 4. Staffel des Schlachtgeschwaders 102 in Großenhain. Beide Staffeln bildeten junge Schlachtflieger aus.
Im Herbst 1944 flog die III. Gruppe des Jagdgeschwaders 27 von Großenhain aus Einsätze zum Schutz des mitteldeutschen Industriegebietes. Bei Kämpfen im Raum Leipzig und Leuna-Merseburg am 2. November 1944 erlitt das JG 27 schwerste Verluste. Die III. Gruppe aus Großenhain verlor 5 Flugzeugführer, vier weitere wurden verwundet. Vom Februar bis zum 5. April 1945 befand sich eine Zerstörereinheit auf dem Fliegerhorst, die Einsätze an der Ostfront flog. Ein kurzes Zwischenspiel auf dem Platz gab im Winter 1945 die 3. Staffel des Schlachtgeschwaders 102.
In der Zeit vom 16. Februar bis 29. März 1945 befanden sich außerdem der Stab und die II. Gruppe des Schlachtgeschwaders 2 „Immelmann“ auf dem Fliegerhorst. Ihnen folgte am 17. Februar 1945 zur Panzerbekämpfung an der Ostfront das 1. (Pz.)/Schlachtgeschwader 9, welches bis in den April hinein von Großenhain aus startete. Die III./JG 27 sowie die I. /JG 27 trafen am 11./12. April 1945 in Großenhain ein, doch schon am 19./20. April 1945 begann die Verlegung beider Gruppen nach Prag-Gbell.
Zusammen mit Flugzeugen des Schlachtgeschwaders 77 aus Kamenz flog ein Verband von 40 Maschinen nach Böhmen. Belegt ist für die letzten Kriegswochen auch die Existenz eines Nachrüstbetriebes für die neuen strahlgetriebenen Bomber und Aufklärer vom Typ Arado Ar 234 in Großenhain.
Am 21. April 1945 wurden die Fliegerschule und der Flugplatz Großenhain geräumt.
In der Nacht vom 23./24.April 1945 wurde Großenhain kampflos durch sowjetische Truppen besetzt. Auch der Großenhainer Flugplatz fiel fast unversehrt in sowjetische Hände.

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Aufklärungsgruppe 11 während einer Vorführung
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Junkers Ju 87
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Focke-Wulf Fw-56-Stösser
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