Amerikanischer Aufklärer über Großenhain?

Sächsische Zeitung – Stadt Großenhain – Mittwoch, 3. Juli 2013

  • Flugplatz 

Die Schau in den Granitbunkern ist immer für Überraschungen gut. Nun steht ein Flugzeugteil in der Vitrine, das Rätsel aufgibt.

Von Katrin Krüger-Mlaouhia

Marcel Reichel nennt die zwei Granitbunker der Flugplatzausstellung „den geheimsten Ort, den Großenhain noch zu bieten hat“. Das stimmt nicht ganz. Denn seit seine militärhistorische Interessengemeinschaft das ehemalige Sonderwaffenlager als Schauobjekt im Originalzustand betreibt, kann sich jeder ein Bild davon machen, dass die Rote Armee hier nicht nur Knallfrösche lagerte. 

Doch geheimnisumwittert bleibt der Ort allemal. So hat Marcel Reichel jetzt ein neues Objekt geschenkt bekommen, das in einer Vitrine gezeigt wird: ein Flugzeug-Rad. Irre, dass es an eine Schubkarre montiert werden sollte, wenn man weiß, von wann und woher dieses Rad stammt. „Anhand der aufgeprägten Nummer haben wir herausgefunden, dass es ein Teil einer amerikanischen Maschine war, die 1943 über Großenhain abgestürzt ist, abgeschossen wurde oder einfach nur ein Rad verloren hat“, sagt Marcel Reichel. Wir, damit meint er seine Kontakte in Amerika. Dort war man sehr überrascht, dass schon 1943 ein Aufklärungsflugzeug in einem offenbar geheimen Flug über Großenhain kreiste.

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Marcel Reichel zeigt das Bugrad eines amerikanischen Flugzeuges.
Ein Kleingärtner wollte es an eine Schubkarre bauen. 

Foto: Brühl

Vor 20 Jahren zogen die Russen ab

Zum Tag des offenen Denkmals werden Besucher das Rad zu sehen bekommen. Vielleicht gibt es bis dahin auch schon neue Informationen dazu. Unfälle und Abstürze werden zudem in einer MDR-Fernsehdokumentation eine Rolle spielen, die jetzt in den Bunkern des Fliegerhorstes gedreht wurde. Sendezeit ist im November. Darin geht es um Zeitzeugen, Foto- und Filmmaterial über die Stationierung der sowjetischen Streitkräfte, um Flugzeugabstürze und den Abzug der GUS-Streitkräfte. Letzteres ist immerhin im August genau 20 Jahre her. 2000 Menschen flogen samt Technik und Material 1993 in die Heimat zurück: 40 Jagdbomber, ein riesiges Transportflugzeug und Hubschrauber starteten letztmalig von Großenhain aus. Der Abzug vor 20 Jahren ist allerdings nicht das einzige Jubiläum, auf das die fünf Militärfreunde der Interessengemeinschaft Flugplatzausstellung schauen. Auch der 100. Geburtstag des Fliegerhorstes und das 40-jährige Bestehen des Sonderwaffenlagers stehen an. Letzteres wurde 1972 bis 1974 errichtet und 2004 unter Denkmalschutz gestellt. Reichel und seine Mitstreiter versetzten es in den Originalzustand. Wie bedeutsam die erhaltenen Großenhainer Bunker sind, zeigt die Tatsache, dass es zehn solcher Anlagen in Ostdeutschland gab, aber, außer der hiesigen kaum eine genutzt wird.

Die zwei liegenden Zylinder mit den dicken Eisentüren, den 80 Zentimeter  starken Wänden und der 3 Meter dicken Erdabdeckung darüber locken jährlich rund 700 in- und ausländische Besucher an.
Wir haben Kontakte nach Moskau und Amerika, wo unsere Veröffentlichungen übersetzt werden, sagt Marcel Reichel, der als Schulhausmeister tätig ist. Die spannendsten Besucher habe er während des Golfkrieges/Irakkrieges Anfang der 90er Jahre gehabt.
„Da waren Leute vom Sicherheitsdienst drei Tage da, haben Probebohrungen gemacht und viele Fragen gestellt“, erinnert sich der Großenhainer Militärfan. Damals waren die GUS-Streitkräfte noch die Herren auf dem Flugplatz. Dass die Bunker damals mit amerikanischem Zollmaß vermessen wurden, und man die Tore nicht verschrottete, ließ für die Großenhainer, die nur zuschauen durften, den Schluss zu, dass die US-geführten Streitkräfte im Irak offenbar ein ähnliches Bauwerk knacken wollten und sich dafür in Großenhain Informationen holten. 

web www.grhn105.eu

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