Brisanter Flugzeugabsturz über Folbern

Sächsische Zeitung – Großenhainer Zeitung (Landkreis Meißen) – Sonnabend/ Sonntag, 16./17. Dezember 2016

Folbern

Vor 50 Jahren streifte ein sowjetisches Flugzeug Dächer und Schornsteine. Die Retter erinnern sich im Fernsehen.

Von Kathrin Krüger-Mlaouhia

Das Team der MDR- Reihe „Lebensretter“ dreht derzeit wieder in Großenhain. Nach einer Folge zum Tornado 2010 im Stadtteil Colmnitz ist jetzt der Flugzeugabsturz am 14. Mai 1966 in Folbern Thema.

Damals stürzte ein sowjetisches Militärflugzeug ab und streifte dabei Schornsteine und Hausdächer. Der Pilot starb dabei. Die Großenhainer Feuerwehr war knapp 6 Stunden im Einsatz. Bei noch lebenden Kameraden von damals war das Drehteam jetzt zu Besuch, im Januar sind Aufnahmen in der Großenhainer Flugplatzausstellung bei Marcel Reichel geplant. Ausgestrahlt werden soll die Sendung voraussichtlich an einem Donnerstag im Februar. Was an jenem 14. Mai in Folbern passierte, wird ausführlich im historischen Abriss „Flugplatz Großenhain“, erschienen 2007, beschrieben. Es soll ein sonniger Sonnabend mit wenigen kleinen Wolken gewesen sein. „Bereits am frühen Morgen werden auf dem sowjetischen Flugplatz MiGs startklar gemacht“, so der Bericht. „Sie sollen die üblichen Patrouillen- und Übungsflüge entlang der Nahtstelle zwischen den verfeindeten Militärblöcken ausführen.“

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Auch diese Maschine stürzte in Folbern ab, allerdings schon 1916. Ein halbes Jahrhundert später durfte nicht mehr fotografiert werden. 

Foto: Archiv SZ

Alarmiert wurde 8.10 Uhr

Heinz Kretzschmar befindet sich da als hauptamtlicher Gerätewart auf der Feuerwache der Berufsfeuerwehr am Rostiger Weg, um Material zu holen. „Er belädt gerade ein Fahrzeug, als er sieht, wie in Richtung Folbern – offenbar im Ort selbst – eine gewaltige Rauchwolke aufsteigt.“ Kretzschmar fährt daraufhin mit dem Fahrzeug sofort zum Gerätehaus, das sich damals noch in der Töpfergasse befand. 8.10 Uhr war dort bereits alarmiert worden. „Kretzschmar und seine Kameraden beladen daher die Löschfahrzeuge mit zusätzlichen Schaummittelbehältern.“ Vier Kameraden, Wehrleiter Fritz Joch eingeschlossen, fahren mit einem TLF zum Unglücksort, wo es brennt. In einem weiteren Löschfahrzeug sitzen zehn Mann. Später holt ein Fahrzeug weitere Feuerwehrleute, bis die Einsatzstärke von 21 erreicht wird. Als sie in Folbern ankommen, sehen sie den Flugzeugabsturz. „Ein der paarweise versetzt vom Flugplatz gestarteten MiGs hat nicht genug Höhe gewonnen und im Ort eine Schneise der Zerstörung geschlagen. Der Strahljäger hat die zwei Schornsteine des Hauses mit der Konsum-Verkaufsstelle wegrasiert. Ein Stück weiter reißt er die oberen Teile des Daches einer Scheune weg. Danach trifft der Düsenjäger das Haus von Paul Riemer, mit dem Kretzschmar in den 50er Jahren zusammen im Heizungsbau arbeitete.“ Die MiG soll das Haus in der oberen Etage durchschlagen haben. Während Leitwerk und Rumpfteile im Haus stecken bleiben, fliegen die Tragflächen noch ein Stück weiter. Ein Milchkannenpodest wird durch Trümmer oder die Druckwelle der berstenden Maschine „abgeräumt“. Eine Frau Reiche wird von einer Kanne getroffen und verletzt. „Sie erlitt auch Verbrennungen“, so das Buch. „Ohne Verletzungen blieb dagegen wie durch ein Wunder im Hause Riemer die alte Oma, welche sich unten in der Küche aufhielt, während über ihr die MiG einschlug.“ 

Geheimhaltungsgründe

Wie die Feuerwehr die Löscharbeiten schaffte und warum es bis heute keine Fotos gibt, ist im MDR-Beitrag zu sehen oder im Buch nachzulesen.

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