Flugzeugabsturz im Abendprogramm

Sächsische Zeitung – Großenhainer Zeitung (Landkreis Meißen) – 23. Februar 2017

  • Folbern/Glaubitz/Zeithain

Die MDR-Dokureihe Lebensretter stellt am Donnerstagabend ein Unglück von 1966 nach. Großenhainer und Glaubitzer standen dafür vor der Kamera.

Von Jörg Richter

Die Zusammenarbeit mit Fernsehleuten ist nicht immer leicht. Das weiß Marcel Reichel nur zu gut. Der Militärhistoriker aus Großenhain ist ein gefragter Mann, wenn es darum geht, Geschichte lebendig werden zu lassen. Er besitzt in seiner Ausstellung auf dem Flugplatz Großenhain jede Menge alter Dokumente, Uniformen, Fahrzeuge und andere Ausrüstungsgegenstände. Regisseure aus Deutschland und sogar Polen rufen ihn an, wenn sie mal wieder einen oder mehrere russische Soldaten brauchen. Er und seine Mitstreiter sehen nicht unbedingt russisch aus, „aber wir haben die Uniformen, und die verleihe ich ziemlich ungern an Fremde“, sagt Reichel. Die Fernsehleute können sich bei ihm aber sicher sein, dass die Ausstattung echt ist. „Wir legen Wert auf Originalität, vom Knopf bis zum Holzlöffel“, sagt der Großenhainer, der jetzt mit drei befreundeten Militärhistorikern und zwei Glaubitzer Feuerwehrleuten vor der Kamera stand. Diesmal für die Dokumentationsreihe „Lebensretter“. Die MDR – Fernmacher widmen sich in ihrer neuen Ausgabe am Donnerstagabend ab 20:15 Uhr dem Absturz eines russischen Militärflugzeuges am 14. Mai 1966 über Folbern. Fünf Tage lang drehten sie dafür Ende Januar an Originalschauplätzen ringsum Großenhain sowie in der feuerwehrtechnischen Ausstellung Zeithain. Bereits seit November standen sie mit Reichel in Kontakt, um mehr über das Unglück zu erfahren. Reichel ist selbst gespannt, was dabei herausgekommen ist. „Den Text, der vorgelesen wird, kenne ich, nur die Bilder noch nicht“, sagt er. Dreimal wurden die Dreharbeiten verschoben. Als dann die Fernsehleute erschienen, war Folbern verschneit. Ungünstig für eine Dokumentation über einen Flugzeugabsturz im Mai. „Wir brauchen 40 Quadratmeter grüne Wiese“, habe damals der Regisseur gesagt. „Also haben wir Schnee geschoben und den Drehort aufgetaut“, erzählt Reichel. „Was macht man nicht alles fürs Fernsehen.“

Den Rest erledigte die Sonne. Außerdem fiel dem Kamerateam relativ spät ein, dass sie für die Löschszenen auch Wasser brauchen. Das war der Ausschlag, warum kurzerhand mit Christian Nassner und Sebastian Kittel zwei Glaubitzer Feuerwehrleute für die Dreharbeiten engagiert wurden. Reichel, selbst Feuerwehrmann, hatte ein paar Tage zuvor eine Eisrettungsübung im Glaubitzer Waldbad geleitet und im Taucheranzug das Opfer gemimt. Die Glaubitzer Kameraden waren ihm für die realitätsnahe Ausbildung sehr dankbar und sofort bereit, nun auch ihm zu helfen. Sie fuhren mit ihrem Löschfahrzeug zum Drehort im Alten Lager Zeithain und sorgten für Wasser. Im Glaubitzer Waldbad wurde ein paar Tage später ebenfalls gedreht. Dort allerdings Szenen über eine Naturkatastrophe, die sich weit weg, auf Rügen, abspielte. Schauspieler aus Leipzig stellten den schneereichen Winter 1978/79 und seine schweren Folgen für die Inselbewohner nach. Auch dies wird in der Fernsehsendung „Lebensretter“ am Donnerstag ein Thema sein.

Ein Kameramann filmt, wie zwei Feuerwehrleute im Mai 1966 den abgestürzten russischen Düsenjet löschen.
Der Dreh fand vor ein paar Wochen in Zeithain statt.
Da war noch Winter. 

Foto: Reichel

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