Historientour im alten Bunker

Elbland Ansichten 2010 – Großenhain

In Großenhain wird die Militärgeschichte zum Anziehungspunkt

Schon die Größe des Geländes ist überraschend: der Flughafen am Rande von Großenhain hat enorme Ausmaße. Weit ziehen sich hier die Wege. Schon an der Hauptstraße weist ein ausgedientes Militärflugzeug den Weg, von hier sind es aber noch einige Hundert  Meter bis zu der versteckt gelegenen Sehenswürdigkeit des Areals. Für den, der sich auf der Straße nähert, sind sie nicht zu übersehen; aus der Luft sind sie getarnt: die Bunker, die früher Munition, heute eine sehenswerte Ausstellung beherbergen.

Das Flugwesen hatte für Großenhain immer große Bedeutung.
Heute wird der Flugplatz der Stadt zum Anziehungspunkt.

Marcel Reichel am Eingang des Bunkers auf dem Flugplatzgelände

Husaren und Flieger

Denn Großenhain hat eine bemerkenswerte Militärgeschichte. Nicht nur die königlichen Husaren waren einst der Stolz der früheren Garnisonsstadt, in der heute ein Verein die Erinnerung an dieses Regiment lebendig hält. Seit 1913 gibt es in Großenhain einen Militärflugplatz. Damals, als die Luftfahrt noch eine junge Erfindung war, hoben hier schon mutige Flieger ab. Marcel Reichel kennt die Daten zur Flugplatz-Geschichte genau. Er ist Großenhainer, an Geschichte interessiert und einer der Engagierten, die im Jahr 2000 damit begannen, die Ausstellung im alten Militärbunker aufzubauen. Der ist für Flugplatzverhältnisse eigentlich ein Neubau. „In den Jahren von 1972 bis 1974 wurden die beiden Anlagen errichtet“, sagt Reichel. In jener Zeit waren in Großenhain Flieger der sowjetischen Armee stationiert. „In Spitzenzeiten waren das 8000 Soldaten“, so Reichel. „Der Flugplatz war eine Stadt in der Stadt, allerdings streng abgeschirmt.“ Die Ausstellung im Bunker, die mittlerweile auch für Touristen ein beliebter Anziehungspunkt geworden ist, gewährt einen Blick hinter die Kulissen. Wie wurde der früher geheimnisumwitterte Flugplatz betrieben, wie wurde hier gelebt? Zudem widmet sich die Schau der Geschichte des sowjetischen Militärs im Osten Deutschlands nach 1945. Dazu gibt es natürlich diverse Karten, Schautafeln und Vitrinen mit etlichen Ausstellungsstücken. Doch zuerst ist es die ungewöhnliche Umgebung, die Besucher beeindruckt. 

„Es war wohl eine Transitstation für Material der sowjetischen Truppen.“

Sehr bemerkenswert ist zuallererst schon das mächtige Metalltor, das den Bau verschließt. Angefertigt wurde das tonnenschwere und meterhohe Monstrum in der Sowjetunion. „Es wurde per Flugzeug nach Großenhain gebracht“, sagt Marcel Reichel. Es schloss einen gewaltigen Bunker ab: Der liegt – ungewöhnlich für solch ein Bauwerk – oberirdisch, verbirgt sich aber unter einer dicken Erdschicht und Gras. Die Betonwände sind mächtig, die Ausmaße des Bunkers sind es auch. Etwa 30 Meter misst er in der Länge, gut 5,80 Meter in der Höhe. Das ganze Jahr über herrschen in seinem Inneren Temperaturen zwischen zehn und zwölf Grad Celsius. Was einst in dem Bunker gelagert wurde, war und blieb geheim. „Es war wohl eine Transitstation für Material der sowjetischen Truppen“, weiß Reichel. 

Das kam per Flugzeug nach Großenhain und wurde von hier in verschiedene andere Militärstandorte gebracht. Sieht man den Bau, den die Armee in der Erde des Flugplatzes hinterlassen hat, wird klar, dass es sich vermutlich auch um gefährliche Munition handelte, die da transportiert wurde. Heute passt auf alle Fälle eine große Ausstellung in den Bunkerbau. Zu sehen ist da ein Querschnitt durch militärisches und Alltagsleben der sowjetischen Soldaten in Großenhain. Bücher, Abzeichen, kleine Alltagsgegenstände haben die Ausstellungsmacher in Vitrinen untergebracht. Uniformen und Einrichtungsgegenstände geben einen Eindruck davon, wie die Soldaten in Ostdeutschland lebten. Doch es gibt auch größere Schaustücke. Sorgsam restaurierte Militärfahrzeuge etwa: „Die sind auch noch fahrtüchtig“, sagt Marcel Reichel.

An einem großen Modell des Großenhainer Flugplatz-Areals erklärt er den Gästen bei Führungen, wie der Flughafen funktionierte. Dann zeigt er auch gern den Film über die Flugplatz-Geschichte, den er mit anderen Ausstellungsbegründern zusammengestellt hat. Der Streifen bietet allerdings nur eine sehr gestraffte Version dessen, was Marcel Reichel über die Geschichte und Bedeutung des Militärstandorts Großenhain berichten kann. Im nun zum Ausstellungsraum umfunktionierten Bunker wurde eine solche Fülle an Material über ein zuvor weitgehend geheim gehaltenes Kapitel der Militärhistorie zusammengetragen, dass es heute Gäste von weit her anzieht. „Viele von ihnen kommen aus Russland, doch wir hatten auch schon Besucher aus Amerika hier“, sagt Marcel Reichel. Natürlich kommen viele Gäste aus Deutschland: Sie lernen hier eine neue Seite der Geschichte kennen.

Den Gästen zeigt und erklärt Marcel Reichel gern auch die Details der bewegten Geschichte des Flugplatz-Areals

Information

Service- Punkt der Stadt
Hauptmarkt 1
01558 Großenhain 
Tel. 03522 – 3040

www.großenhain.de

Der Großenhainer Flug-Geschichte widmet sich auch ein weiteres ungewöhnliches Museum in der Stadt. Es ist das „Fliegende Museum“. Die Sammlung von Oldtimer-Flugzeugen soll möglichst in der Luft präsentiert und flugfähig erhalten werden.


Historische Flugzeuge

Josef Koch 
Zum Fliegerhorst 13

01558 Großenhain
www.fliegendes-museum.de

 

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