Keine Flüge mehr in Großenhain

Sächsische Zeitung – Stadt Großenhain – Donnerstag, 29. Juli 2010

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Bereits im Juli 2008 musste die Landebahn wegen Hitzeschäden gesperrt werden.
Wer sie diesmal reparieren soll, ist völlig ungewiss.
Foto: Brühl

Können Sie sich vorstellen, in eine neue Wohnung einzuziehen, und als erstes eröffnet Ihnen der Vermieter, Sie sollten doch bitteschön die Mietrückstände des Vormieters bezahlen? Undenkbar? Der Freistaat Sachsen kann sich das durchaus vorstellen, ja er verlangt es sogar. Der Großenhainer Abriss-Unternehmer und Technik-Fan Wolfgang Bothur soll Miete und Pacht für den pleite gegangenen Flugplatzbetreiber Andreas Kilian von der Sachsenflug GmbH nachzahlen. Und nicht nur das. Für den Fall, dass Wolfgang Bothur mit seiner eigens gegründeten Mini-GmbH den Flugplatz fortführt, soll er 100.000 Euro als Sicherheit hinterlegen. Letzteres wäre zumindest Verhandlungssache zwischen einem neuen Betreiber und dem Eigentümer Sachsen. Aber die alten Schulden einer anderen Firma bezahlen? Doch das sind nicht die einzigen Probleme.

Sachsenflug überfordert

Jeder, der den Flugplatz übernehmen will, kämpft ab jetzt gegen die Zeit. Denn die Luftfahrtbehörde hat den Flugbetrieb in Großenhain eingestellt. Grund: die Landebahn hat durch die Hitze und Abkühlung in den letzten Wochen mehrere Aufbrüche. Die müsste laut Mietvertrag, der jegliche Instandsetzung dem Pächter auferlegt, von der Sachsenflug GmbH erbracht werden. Doch die hat bekanntlich Insolvenz angemeldet. Wer nun die Landebahn, eine der längsten in Deutschland, überhaupt reparieren soll, ist ungeklärt. Selbst eine wirtschaftlich intakte Betreiber-Firma hätte angesichts solcher Investitionen Schwierigkeiten. Bernd Fiedler, Beauftragter der Luftverkehrsbehörde und zuständig für die Einhaltung der gesetzlichen Bestimmungen, sitzt nicht im Tower.

Er ist im Gelände unterwegs, auf VMI, wie er schmunzelnd sagt. Was soll er anderes tun? Andreas Kilian, immer noch Chef der Sachsenflug GmbH, lässt sich stundenweise blicken, stellt Unterlagen für Insolvenzverwalter und Gutachter zusammen. Was aus dem Großenhainer Flugplatz wird, ist damit völlig offen. Auch die Pläne von Wolfgang Bothur. Sein Ziel ist es, all jene Flieger in die Stadt zurückzuholen, die wegen Differenzen mit Kilian abgewandert sind. Mit den Maschinen des Fliegenden Museums sind aktuell 30 Flugzeuge in Großenhain stationiert. Seine Hoffnung, dass fliegerische Potenzial und die Großveranstaltungen vernünftig zu verbinden, bleibt. Zumindest findet am Wochenende die „Speed Nation“ statt. Die Fliegerei stört nicht mehr und der Insolvenzverwalter will schließlich etwas verdienen.

Birgit Ulbricht

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