Rittmeister Manfred Freiherr von Richthofen

Rittmeister Freiherr Manfred von Richthofen ist zweifellos heute noch der weltweit bekannteste Jagdflieger. Sein Ruhm entstand in den Luftkämpfen über der Westfront des Ersten Weltkrieges.
Von Richthofen, der sich in seiner 1917 erschienenen Autobiografie selbst als „Der rote Kampfflieger“ betitelte, war ein herausragend befähigter und erfolgreicher junger Offizier, der von seiner Zeit und ihren Wertevorstellungen geprägt war.
Die weitaus bekanntere Bezeichnung, der „Rote Baron“, für Manfred von Richthofen geht auf ein britisches Nachkriegswerk aus dem Jahre 1927 von Floyd Gibbons („The red knight of Germany. The story of Baron Manfred von Richthofen“) zurück, in dem Richthofens Freiherren-Titel mit „Baron“ übersetzt wurde. Zudem spielt dieser Name auf seine rotlackierte „Fokker 1“ an, mit der er zahlreiche Luftsiege errang und bei seinen Gegnern gefürchtet war.

Manfred  von Richthofen wurde am 2. Mai 1892 in Breslau als ältester Sohn des Kavallerieoffiziers Albrecht Freiherr von Richthofen (1859 – 1920) und dessen aus dem Geschlecht Schickfus und Neudorff stammender Ehefrau Kunigunde (1868 – 1962) geboren. Er hatte eine Schwester – Ilse (1890 – 1963) – und zwei Brüder: Lothar (1894 – 1922) und Karl-Bolko (1903 – 1971).

Als Kind begeisterte er sich für Reiten und Jagen. Nach dem Umzug der Familie nach Schweidnitz besuchte er von 1903 bis 1909 die Kadettenanstalt in Wahlstatt bei Liegnitz und von 1909 – 1911 die Hauptkadettenanstalt in Lichterfelde bei Berlin.
1911 trat Manfred von Richthofen in das 1. Westpreußische Ulanenregiment „Alexander III. von Russland“ in Militsch ein.

Kriegseinsatz

Im Mai 1915 meldete er sich dann freiwillig zur neuen Fliegertruppe, in der er in der FEA 7 seine Ausbildung zum (Flug-) Beobachter begann. Am 10. Juni wurde er als Beobachter zum abschließenden Training zur FEA 6 nach Großenhain kommandiert. Hier diente er bis zum Ende des Monats.

Richthofen in der Albertkaserne
M. v. Richthofen mit Kameraden in der Albertkaserne
Richthofen als Beobachter-b-Web
Manfred v. Richthofen (2. v. li.) auf dem Großenhainer Flugplatz

Fotos: Aus der übergebenen Sammlung von Dietrich Heerde

Albatros

Von Richthofen war als Beobachter an der Ostfront (Feldfliegerabteilung 69) und ab August 1915 bei der sog. Brieftauben-Abteilung Ostende (Belgien), einer getarnten Bomber-Formation. Die Verwendung als Beobachter langweilte ihn jedoch schnell schnell.

Nach der sich im November/ Dezember 1915 anschließenden Ausbildung zum Flugzeugführer kam er im März 1916 zum Kampfgeschwader 2, das an der Westfront und später an der Ostfront Einsätze flog.

Im August 1916 wechselte er zu den Jagdfliegern und trat in die in Cambrai stationierte neu aufgestellte Jagdstaffel 2 unter Führung von Oswald Boelke ein. Bereits am 17. September schoss er das erste feindliche Flugzeug ab.

Legendär war der Luftkampf, den sich Manfred von Richthofen und der damals erfolgreichste britische Jagdflieger, Luftwaffen-Major Lanoe George Hawker (1890 – 1916), am 23. November 1916 über französischem Boden lieferten. Als Lanoe Hawke mit seiner DH-2 zu entkommen versuchte, verfolgte ihn Manfred von Richthofen eine gute halbe Stunde lang in einer Maschine vom Typ Albatros D. II. Bevor der Brite das Flugfeld bei Bapaume erreichte, schoss Richthofen ihn ab. Dabei kam Lanoe Hawker ums Leben.

 Am 12. Januar 1917 erhielt Manfred von Richthofen für seine 18 anerkannten Luftsiege die höchste Tapferkeitsauszeichnung, den preußischen Orden „Pour le Mérit“ und wird Kommandeur der bis dato erfolglosen Jagdstaffel 11 (Jasta 11) in Douai.
Bereits 3 Monate später verzeichnete diese Einheit schon 125 Abschüsse bei nur zwei eigenen Verlusten. Durch ihre zahlreichen siegreichen Luftkämpfe an der Westfront erreichte die Jagdstaffel unter Führung von Manfred von Richthofen einen nahezu legendären Ruf. Zu dieser Staffel stieß auch von Richthofens Bruder Lothar.
Diese Jagdstaffel, die bei den Gegnern genauso gefürchtet wie angesehen war, wurde von diesen auch „Fliegender Zirkus“ genannt, aufgrund der von den Piloten vielfarbig lackierten Maschinen

höchste Tapferkeitsauszeichnung - Orden „Pour le Mérit“
fokker
Fokker DR-I-Dreidecker
Verfügung Richthofens

Manfred von Richthofen war mittlerweile auf einen Fokker DR-I-Dreidecker umgestiegen, den er signalrot anstreichen ließ und weswegen ihn die Briten „Roter Baron“ tauften.
Im April 1917 bereitete die Jagdstaffel 11 dem Royal Flying Corps eine desaströse Niederlage. Richthofen schoss an einem einzigen Tag, dem 29. April 1917, vier gegnerische Flugzeuge vom Himmel. Bei den Briten wurde er nun so gefürchtet, dass man für seinen Abschuss das „Victoria-Cross“, die höchste englische Kriegsauszeichnung, sowie eine Prämie von 5000 Pfund in Aussicht stellte.

Im Juni 1917 übernahm Manfred von Richthofen das aus den Jagdstaffeln 4, 6, 10 und 11 neuformierte Jagdgeschwader 1. Er war inzwischen zum Rittmeister (Hauptmann) befördert worden.

Aber bereits am 6. Juli 1917 wurde Manfred von Richthofen in einem Luftkampf schwer am Kopf verwundet und musste, nahezu erblindet, notlanden. Er setzte nur relativ kurze Zeit aus. Gegen den Rat der Ärzte kehrte er schon nach ca. 40 Tagen wieder in seine Funktion zurück und bestieg sein Flugzeug.

Tod im Luftkampf

Am 21. April 1918 führte der „Rote Baron“ jedoch sein letztes Gefecht. Er und seine Kameraden gerieten bei Vaux-sur-Somme in einen Luftkampf mit einer von dem kanadischen Captain Arthur Roy Brown (1893 – 1944) befehligten Staffel der Royal Air Force.

Manfred von Richthofen  verfolgte in der Hitze dieses Luftkampfes den feindlichen Piloten Leutnant Wilfried May bis hinter die feindlichen Linien und wurde schließlich im Tiefflug sowohl von Browns Bordschützen als auch von einer australischen Flugabwehrstellung am Boden beschossen und tödlich getroffen. Er konnte noch hinter den feindlichen Linien landen und verstarb dort sofort.

Nach heutigem Kenntnisstand wird angenommen, dass Manfred von Richthofen von der australischen MG-Stellung und nicht vom kanadischen Jagdflieger Brown tödlich getroffen wurde. Am 22. April 1918 wurde der tapfere Flieger von den Briten mit allen militärischen Ehren in Bertangles bei Amiens beigesetzt.

Danach überquerte ein Jagdflieger die Basis des Jagdgeschwaders 1 und warf folgende Botschaft ab: „To the German Flying Corps. Rittmeister Baron Manfred von Richthofen was killed in aerial combat on April 21st, 1918. He was buried with full military honours.“.

Nach der in der Tat würdevollen Bestattung durch seine ritterlichen Gegner in Bertangles übersandten diese ein Bild seines Grabes an das Geschwader 1.

Todesanzeige der Familie
Todesanzeige seines Geschwaders
Grabstätte auf dem Südfriedhof in Wiesbaden
Grabmal in Schweidnitz (Polen)

Ihm zu Ehren erhielt das Jagdgeschwader 1 den Namen seines gefallenen Kommandeurs. Diese Tradition setzte nicht nur das Dritte Reich mit dem Jagdgeschwader 2, sondern auch die Bundeswehr mit dem Jagdgeschwader 71 in Wittmund (Ostfriesland) fort. Von Richthofens Ruhestätte wechselte insgesamt viermal. Nach der Umbettung auf den deutschen Soldatenfriedhof Fricourt  wurden am 20. November 1925 die aus Frankreich überführten sterblichen Überreste des Roten Barons in Anwesenheit des Reichspräsidenten von Hindenburg im Rahmen eines Staatsaktes auf dem Invalidenfriedhof in Berlin beigesetzt. Als nach dem II. Weltkrieg infolge der deutschen Teilung über diese Stätte die Berliner Sektorengrenze lief und im Zuge des Mauerbaus eine weitgehende Einebnung der Grabstätte drohte, gelang nach zähen Verhandlungen mit der DDR-Führung im Jahre 1975 schließlich die Überführung in die Familiengrabstätte auf dem Wiesbadener Südfriedhof. Ein Teil der Grabanlage steht heute in der Kaserne des Jagdgeschwaders 71 in Wittmund.

Manfred von Richthofen galt nach dem Fliegertod von Oswald Boelke und Max Immelmann als der größte deutsche Jagdflieger. Er hatte innerhalb von 20 Monaten nachweisbar 80 Luftsiege erzielt und dabei mindestens 75 Gegner getötet, mehr als jeder andere Pilot im I. Weltkrieg. Mit seinen errungenen Luftsiegen setzte er sich damit an die Spitze aller Fliegerasse des I. Weltkrieges. Er wurde zur allseits bewunderten Heldengestalt, an seinen Luftsiegen nahm die Öffentlichkeit regen Anteil. Nicht in jedem Fall schoss er die feindlichen Maschinen ab, sondern brachte sie stattdessen in einigen Fällen durch geschickte Flugmanöver zum Absturz.
Manfred von Richthofens Erfolge beruhten auf Jagdinstinkt und kluger Taktik gepaart mit eiserner Disziplin. Fliegerische Tollheiten wie etwa Loopings oder Kopfüberflüge lehnte er als „Blödsinn, der im Luftkampf nichts zu suchen hat“ ab. Er griff seine Kontrahenten nur an, wenn er sich in eine taktisch überlegene Position gebracht und möglichst die Sonne im Rücken hatte. Er selbst nannte dies „den Gegner taktisch zurechtlegen“.

Manfred von Richthofen ging zweifellos auf in seinem Metier als Jagdflieger. Doch die Vorstellung des nur immer „ritterlichen“ Zweikampfes in der Luft mit möglichster Schonung des Gegners, ausgeführt von Fliegern, denen es eigentlich nur um „das Fliegen“ ging, ist nicht mehr als von beiden Seiten gepflegte schöne Legende. Richthofen selbst demaskiert diese Legende weitgehend in seiner Autobiografie.

Quelle: „Jagd in Flanderns Himmel – aus den sechzehn Kampfmonaten des Jagdgeschwaders Freiherr von Richthofen“ von Karl Bodenschatz, 1935.

Porträts von Manfred Freiherr von Richthofen auf Sanke-Postkarten

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