Russe besucht einstiges Sonderwaffenlager am Flugplatz

Sächsische Zeitung – Großenhainer Zeitung – Montag, 9. Mai 2011

Gennadij Dvigulin diente von 1980 bis 1982 in Großenhain.
Jetzt erzählt er seine Geschichten.

Von Henry Müller
SZ.GROSSENHAIN@DD-V.DE

Die Geschichten sprudeln aus Gennadij Dvigulin heraus, als er am Modell des ehemaligen Militärgeländes im Bunker des Sonderwaffenlagers steht und von seinen Erinnerungen übermannt wird: „Hier sind wir angekommen, dort ist der Kindergarten, die Schule, unsere Garagen…“. Der inzwischen 49-Jährige aus dem Krasnodarer Gebiet stammende Russe diente von 1980 bis 1982 in Großenhain. Er war Fahrer bei den Funkern, die in der Nähe des Dorfes der Jugend (Adelsdorf) ihre Radarstation hatten. Er hatte auch extra ein paar Schwarz-Weiß-Fotos aus dieser Zeit mitgebracht, die ihn mit einigen seiner Kameraden und den Dienstfahrzeugen vom Typ KrAZ zeigen. „Es interessieren sich erstaunlich viele Ehemalige für das Gelände, wie diese persönlichen Kontakte, die Besuche der Website sowie die Anfragen belegen“, informiert Carola Gärtig, die sowohl als Dolmetscherin als auch PR-Verantwortliche agiert. Vor Kurzem war zum Beispiel eine heute 40-jährige Frau in Großenhain, die als Kind in der Garnison lebte. Sie erkannte in der Stadt auch einiges wieder, so zum Beispiel eine Eisdiele, die sie mit ihren Eltern oft besuchte. Marcel Reichel hatte am Samstag zum Tag der offenen Flugplatz-Tür in die Flugplatzausstellung eingeladen, und die Resonanz war sehr gut. Das Wetter unterstützte die Aktion so wie die Kooperation mit den Flugplatzleuten „nebenan“, die Rundflüge anboten. „Nur wer mal einen Blick von oben auf das Gelände geworfen hat, kann das Ganze überhaupt verstehen“, behauptet Reichel.

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Gennadij Dvigulin ist in Erinnerungen versunken,
Dolmetscherin Carola Gärtig übersetzt. 

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Sammler Marcel Reichel in der Uniform eines Anwärters im Grundwehrdienst.

Fotos: H. Müller

Funken verbindet

Es waren aber auch Gäste da, die nicht eine so lange Anreise wie Gennadij Dvigulin hatten. Aus der Nähe von Cottbus war Steffen Logsch gekommen. Er hatte bis 1989 im Luftlagezentrum der DDR in Kolkwitz Dienst getan und dort an große Plexiglasscheiben jeder Flugbewegung angezeichnet. Inzwischen gibt es auch dort ein Museum der Kolkwitzer Bunkerfreunde GS–31 e. V. 
Eine noch längere Kooperation hat der Historiker Marcel Reichel mit dem Amateurfunkclub Großenhain. Dessen Vorsitzender Roland Grimm ist glücklich über die Zusammenarbeit. „Nach der Wende hatten wir keine Räume, die GST gab es nicht mehr, deshalb sind wir froh, auf dem Flugplatz eine Heimat gefunden zu haben“, erklärt Grimm und meint: „Der Funk verbindet uns alle.“ Der Austausch von Informationen, die Freude an neu Entdecktem sowie die Unterstützung bei der Ersatzteilsuche kennzeichnet die Zusammenarbeit der einzelnen Gruppen. Marcel Reichel hat die Ausstellung mit seinen Mitstreitern den modernen Museumsstandards angepasst. „Die Besucher kritisierten mitunter die schlechte Lesbarkeit der Schautafeln, so haben wir eine lichtstärkere Beleuchtung in die alten Lampenkästen integriert, was gar nicht so einfach war, denn neben den Vorschriften der Elektroindustrie mussten wir auch die Denkmalschutzbestimmungen einhalten. Ein Besuch in den Bunkern des Typs „Granit“ gleich neben der Biogasanlage auf dem Flugplatzgelände lohnt immer.

www.grhn105.eu

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