Spionage und Überläufer

Am 27. Mai 1973 um 11.47 Uhr hatte sich Leutnant Wronskij,  Jewgenij Lwoitsch (geb. 1950) bei Braunschweig nahe der Ortschaft Klein Schöppenstedt, 400 Meter südlich der Bundesstraße 1, neben dem Naherholungsgebiet Elm, aus dem Flugzeug katapultiert. Er war mit einer Su-7BM (Baujahr 1964, Bordnummer 52) vom 497. Jagdbombengeschwader, das in Großenhain stationiert war, desertiert. Er wurde leicht verletzt. Die von ihm geführte Maschine Su-7BM zerschellte.

Leutnant Wronskij war Flugzeugtechniker, hatte kaum Flugerfahrung. Er hatte nur einiges Stunden am Flugsimulator genommen. Im Tiefflug durch die eigene Luftverteidigung floh Leutnant Wronskij nach Westdeutschland. Er bat dort um Asyl.

Unmittelbar nach seinem illegalen Start vom Großenhainer Flugplatz starteten auf Befehl des sowjetischen Gefechtsstandes in Wünsdorf  um 11.30 Uhr insgesamt 32 (!) Abfangjäger. Sie  flogen bis 13.45 Uhr über der DDR und CSSR, um ihn zu stellen. Wegen seines Tieffluges waren sie jedoch sämtlichst erfolglos.

Am 31. Mai 1973 wurden die Flugzeugtrümmer der Su-7BM an die Sowjets übergeben.

Für seine Informationen zum Flugplatz Großenhain, die Ausstattung mit Kampftechnik sowie die technischen Details der Su-7BM, des damals wichtigsten taktischen Kernwaffenträgers der sowjetischen Luftstreitkräfte interessierten sich sowohl die deutschen, als auch amerikanischen, britischen und französischen Militärgeheimdienste. Wronskij gab brisante Aussagen zur Handhabung von „taktischen A-Waffen“ preis.

Zeitungsartikel freundlichst zur Verfügung gestellt vom
Stadtarchiv Braunschweig

Auszug dazu aus dem Buch „Himmelsstürmer“ – Flugunfälle und Fliegergräber der Sowjetarmee in Deutschland, Lutz Freundt (Hrsg), AeroLit Verlag 2008.

Auszug dazu aus dem Buch „Rote Plätze“ – Russische Militärflugplätze Deutschland 1945 – 1994, Lutz Freundt und Stefan Büttner, AeroLit-Verlag 2007

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